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Wie Steroide wirken und welche Nebenwirkungen sie verursachen!

Anabolika Nebenwirkungen

Steroide, oder auch umgangssprachlich Anabolika genannt, haben nicht nur positive Seiten. Denn neben ihren leistungssteigernden Eigenschaften (Muskel- und Kraftaufbau) haben Anabolika auch negative Auswirkungen auf den menschlichen Körper. Diese Nebenwirkungen durch Anabolika betreffen sowohl Männer als auch Frauen, wobei es hier auch geschlechtsspezifische Anabolika Nebenwirkungen gibt. Die Nebenwirkungen können außerdem in gesundheitliche und kosmetische Nebenwirkungen unterteilt werden sowie danach, ob sie kurzfristiger bzw. akuter oder langfristiger Natur sind. Es ist hinzuzufügen, dass die Nebenwirkungen von mehreren Faktoren abhängig sind. Diese sind:

  • Individuelle Veranlagung
  • Eingesetzte Steroide
  • Dosierung der Steroide
  • Länge der Steroideinnahme

Kosmetische Nebenwirkungen durch den Missbrauch von Anabolika hervorgerufen
I. Haarausfall

Eine Nebenwirkung, die sowohl bei Männern und Frauen auftritt, ist Kopfhaarausfall. Dabei handelt es sich hier nicht um eine gesundheitlich gefährliche Nebenwirkung, sondern um einen kosmetischen Makel. Jedoch kann dieser Makel auch zu gesundheitlichen Problemen führen, da es durch den Haarausfall zu einer psychischen (bzw. psychosomatischen) Belastung kommen kann. Psychosomatisch bedeutet, dass sich psychische Belastungen körperlich auswirken und so z.B. zu Bauch- oder Kopfschmerzen führen können.

Dabei ist eine bestimmte Menge an ausfallenden Haaren „normal“; dies sind etwa 70 bis 100 Haare pro Tag. In diesem Ausmaß fällt der Haarverlust auch nicht auf, wenn man bedenkt, dass ein Mensch zwischen 90.000 und 150.000 Haaren auf dem Kopf hat. Wie kann man nun feststellen, ob man etwas gegen den Haarausfall unternehmen sollte und ob der Haarverlust über kurz oder lang zu einer Glatze führt. Ein einfacher Indikator ist die Menge an Haaren in der Bürste, dem Kopfkissen oder dem Abfluss (nach dem Haarewaschen). Wenn diese Menge auffällig mehr wird, dann sollte man etwas gegen den Haarausfall unternehmen. Ein weiteres Zeichen ist die Sensibilität der Kopfhaut: Es kommt bei einer Berührung der Kopfhaut zu einem unangenehmen und teilweise schmerzhaften Gefühl. Welche Mechanismen sind aber dafür verantwortlich, dass man vermehrt Haare verliert?

Der primär verantwortliche Faktor für Haarausfall ist Dihydrotestosteron (DHT). Dieser Stoff entsteht, wenn Testosteron mittels des Enzyms 5-alpha-Reduktase in DHT umgewandelt wird. Die Kopfhaare unterliegen mehreren Wachstumsphasen. DHT führt zu einer Verkürzung des Lebenszyklus. Das führt zum zu Grunde gehen der Haarwurzel, sodass sich kein neues Haar mehr bilden kann. Das letztliche Ergebnis ist, dass die Haare immer dünner und kleiner werden und schließlich keine sichtbaren Haare mehr an bestimmten Stellen vorhanden sind. Die Höhe des DHT steigt mit der Höhe des Testosteronspiegels, weshalb bei einigen Menschen eine Testosteronkur zu Haarverlust führen kann. Die Empfindlichkeit der Haare auf DHT ist aber genetisch festgelegt. Es gibt Menschen, die schon bei sehr kleinen Mengen Testosteron massiv Haare verlieren, wohingegen andere Menschen selbst bei sehr hohen Dosierungen von Testosteron keine Haare verlieren. Aber nicht nur Testosteron, sondern auch andere Steroide sind für Haarverlust verantwortlich. Darunter fallen vor allem die Steroide Oxymetholon, Drostanolon, Metenolon, Stanozolol.

Diese sind quasi wie reines DHT, da sie schon über das Enzym 5-alpha-Reduktase zu DHT konvertiert wurden. Mild zu den Haaren ist das Steroid Nandrolon. Bei den Testosteron-Derivaten Boldenon und Methandienon kann chemisch gesehen eine Umwandlung in DHT stattfinden und das tut sie auch, je nach Genetik und der Höhe und Länge der Kur. Mittel, die gegen Haarausfall eingesetzt werden, sind beispielsweise die 5-alpha-Reduktasehemmer Finasterid und Dutasterid. Sie blockieren das Enzym 5-alpha-reduktase und verhindern so die Umwandlung von Testosteron oder eines anderen Steroids in DHT. Finasterid senkt den DHT-Spiegel um ca. 75 % und Dutasterid sogar um bis zu 95 %. Weiterhin wird der Wirkstoff Minoxidil zur topischen Anwendung eingesetzt.

II. Gynokämastie

Gynokämastie durch Östrogen

Eine sehr unschöne Nebenwirkung von Steroiden ist die sogenannte „Gynokämastie“. Hierbei handelt es sich um eine einseitige oder beidseitige Vergrößerung des Brustdrüsengewebes beim Mann.[1] Gynokämastie tritt aber auch bei Jungen oder Männern auf, die keine Steroide verwenden. Der Grund ist folgender: Der männliche Körper hat ein Gleichgewicht zwischen dem weiblichen Hormon Östrogen und dem männlichen Hormon Testosteron. In diesem Fall passiert salopp gesagt erstmal gar nichts mit dem Brustdrüsengewebe und es hat eine „normale“ Größe. Wird dieses Gleichgewicht zwischen Östrogen und Testosteron aber aus dem Ruder geworfen und ist Östrogen in einem Übermaß vorhanden, dann wird eine Gynokämastie wahrscheinlicher. Dieses Szenario kann bei pubertierenden Jungs auftreten, da in dieser Phase viel Testosteron gebildet wird. Wie erwähnt, will der Körper jedoch ein Gleichgewicht zwischen Östrogen und Testosteron haben und beginnt damit Testosteron mittels des Enzyms „Aromatase“ in Östrogen umzuwandeln, damit er den Östrogenspiegel auf das gleich hohe Level wie Testosteron bekommt. Dieser hohe Östrogenspiegel provoziert daraufhin eine Gynokämastie.

Darüber hinaus wird eine Gynokämastie wahrscheinlicher, wenn die Person einen hohen Körperfettanteil aufweist, denn das Testosteron-in-Östrogen-konvertierende Enzym „Aromatase“ befindet sich im Fettgewebe. Das bedeutet, dass es mit steigendem Körperfettanteil zu einer gesteigerten Umwandlung von Testosteron in Östrogen kommt. Von einem hohen Körperfettanteil und damit einem Risiko der Gynokämastie sind häufig ältere Männer betroffen („Altersgynokämastie“). Das liegt an der mit fortschreitendem Lebensalter abnehmenden Muskulatur. Da Muskulatur jedoch stoffwechselaktives Gewebe ist und Kalorien verbrennt, kommt es durch weniger Muskeln zu einer Abnahme des Kalorienverbrauchs. Wird die Ernährung nun aber nicht angepasst und/oder nicht genügend Kalorien durch Sport verbrannt, so nimmt man mehr Kalorien zu sich als man verbraucht – und dieser Umstand führt dann zu einer Zunahme des Körperfettanteils, damit zu einer vermehrten „Aromatase“-Aktivität und damit schließlich zu einer höheren Gefahr für Gynokämastie.

Weitere Faktoren, die Veränderungen im Hormonhaushalt und eventuell einen erhöhten Östrogenspiegel zu Folge haben sind Folgende: Lebererkrankungen, Niereninsuffizienz, Schilddrüsenüberfunktion, Verlust der Hoden (z.B. durch Tumor), genetisch bedingte Störungen im männlichen Hormonhaushalt, längerfristiger Alkohol- und Drogenkonsum (Marihuana, Heroin).

Kommen wir zur Gynokämastie, die durch Steroide begünstigt und verursacht wird. Werden Steroide eingenommen, dann gelten genau die gleichen „biochemischen Regeln“ wie es ohne Steroide der Fall ist. Das bedeutet sowohl ein erhöhter Körperfettanteil als auch ein hoher Östrogenspiegel begünstigen eine Gynokämastie. Allerdings sorgen Steroide (je nach Genetik, Art und Dosierung) für Östrogenspiegel, die um ein Vielfaches den natürlichen Östrogenspiegel übersteigen. Dadurch ist natürlich das Risiko für eine Gynokämastie sehr hoch. Nicht alle Steroide können eine Gyno verursachen, sondern nur jene welche auch in Östrogen (und/oder Progesteron, Prolaktin) konvertieren können. Die Steroide, die in Östrogen konvertieren können und dafür bekannt sind bei empfindlichen Leuten ein Gynokämastie zu verursachen, sind Testosteron, Oxymetholon und Dianabol.

Gynokämastie durch Progesteron und Prolaktin

Es gibt Steroide, welche nicht in Östrogen konvertieren, aber dennoch eine Gynokämastie hervorrufen. Das passiert in diesen Fällen durch die Hormone „Progesteron“ und „Prolaktin“. Steroide, die eine Gyno über diese Wege verursachen können, sind Trenbolon und Nandrolon.

Steroide ohne Gynokämastie-Risiko

Nicht jedes Steroid verursacht eine Gynokämastie – es gibt auch Steroide, deren Einnahme nicht in einer Gynokämastie resultiert; egal wie hoch die Dosierung ist. Das liegt an ihrer chemischen Struktur und daran, dass sie nicht in die für die Gynokämastie verantwortlichen Hormone – Östrogen, Progesteron, Prolaktin – konvertieren können. Dazu zählen beispielsweise Stanozolol, Oxandrolon und Primobolan.

Erste Anzeichen einer Gynokämastie und Behandlung

Eine Gynokämastie entsteht nicht von heute auf morgen, sondern kündigt sich langsam an. Typische Warnsignale sind zum Beispiel eine starke Berührungsempfindlichkeit, Schmerzen und ein Spannungsgefühl in den Brustdrüsen. Diese Symptome müssen aber nicht unbedingt auftreten, tun es aber bei den meisten Betroffenen. Nimmt man diese Warnzeichen wahr, so sollte man schnellstmöglich entgegenwirken. Wenn keine Steroide eingenommen werden und Steroide somit nicht die Ursache der Gynokämastie ist, so kann man die begünstigenden Faktoren, wie einen hohen Körperfettanteil oder langfristigen Alkoholkonsum, beseitigen und versuchen auf diese Weise die Gynokämastie in den Griff zu bekommen.

Wenn jedoch Steroide eingenommen werden und die Gyno-Anzeichen erst vermehrt seit der Steroideinnahme auftreten, kann man relativ sicher sein, dass die Gynokämastie an den Steroiden liegt. In diesem Fall helfen keine einfachen Maßnahmen, wie Körperfettreduktion, mehr, sondern es werden in der Regel Anti-Östrogene oder Aromatase-Hemmer benötigt, um die Gynokämastie in den Griff zu bekommen. Vorausgesetzt es handelt sich um Steroide, die die Gyno über die Umwandlung in Östrogen verursachen, wie z.B. Testosteron.

Dann kommen Anti-Östrogene bzw. Selektive Östrogenrezeptormodulatoren („SERM“), wie z.B. Tamoxifen oder Clomifen zum Einsatz. Sie blockieren in bestimmten Regionen die Andockstellen für Östrogen, sodass Östrogen dort nicht mehr andocken und seine Wirkung entfalten kann.  Anti-Östrogene verhindern eine Gynokämastie, indem sie an die Östrogenrezeptoren in den Brustdrüsen andocken und somit verhindern, dass Östrogen dort andockt und eine Gynokämastie auslöst. Eine andere Möglichkeit zur Bekämpfung von Gynokämastie sind die sogenannten „Aromatase-Hemmer“. Diese greifen, im Gegensatz zu Anti-Östrogenen, schon vorher in den Östrogen-Haushalt ein und blockieren nicht das Andocken von Östrogen an den Brustdrüsen, sondern sie verhindern bereits die Entstehung bzw. Umwandlung von Testosteron in Östrogen. Der Aromatase-Hemmer Exemestan bindet an das Aromatase-Enzym bindet und deaktiviert es dadurch irreversibel (unumkehrbar). Das Aromatase-Enzym wird also zerstört.[2]

Die Wirkstoffe Anastrazol und Letrozol docken temporär an das Aromatase-Enzym an und verhindern dadurch, dass Testosteron dort andocken und in Östrogen umgewandelt werden kann; man nennt es auch „kompetetive Hemmung“, weil der Wirkstoff mit dem Östrogen kompetetiv (wie ein Wettkampf) konkurriert. Mit der Zeit löst sich der Aromatase-Hemmer und Testosteron kann wieder andocken und umgewandelt werden. Aber für die Zeit des Andockens des Aromatase-Hemmers ist das betroffene Aromatase-Enzym deaktiviert.

Wenn die Gyno durch Prolaktin versursacht wird, wie es bei Nandrolon oder Trenbolon, der Fall ist, dann wird das Medikament „Bromocriptin“ eingesetzt.

III. Akne

Eine sehr unschöne Nebenwirkung von bestimmten Steroiden ist die sogenannte „Steroidakne“. Hierbei handelt es sich um eine starke Form der Akne, die durch eine fettige Haut und sehr starke Hautunreinheiten gekennzeichnet ist. Die Akne kann am gesamten Körper (bevorzugt aber auf Nacken, Schulter, Brust und Rücken) und im Gesicht vorkommen.

Der Grund für die Steroidakne ist, wie bei Haarausfall, der körpereigene Stoff Dihydrotestosteron (DHT), der entsteht, indem Testosteron mittels des Enzyms 5-alpha-Reduktase in DHT umgewandelt wird. DHT sorgt für eine Vergrößerung der Talgdrüsen.[3] Das hat eine erhöhte Talgproduktion zur Folge, sodass es zu einer übermäßig fettigen Haut kommt. Ein weiteres Problem, welches DHT verursacht, ist die starke Verhornung der oberen Hautschicht, sodass sich die Poren schließen. Durch das Schließen der Poren und die starke Talgproduktion, füllen sich die Poren mit Talg, sodass sie verhärten und sich entzünden. Das Ergebnis ist die Akne.

Ob jemand unter Steroidverwendung eine Akne bekommt, hängt von der individuellen Genetik für Akne sowie Art und Dosierung des eingesetzten Steroids ab. Da DHT durch die Umwandlung von Testosteron in DHT entsteht, ist es selbsterklärend, dass es bei Testosteron-Kuren zu Akne kommen kann. Aber auch die Steroide Oxymetholon, Drostanolon, Metenolon, Stanozolol können kritisch für Akne-empfindliche Personen sein. Diese Steroide sind quasi wie reines DHT, da sie schon über das Enzym 5-alpha-Reduktase zu DHT konvertiert wurden. Dahingegen ist das Steroid Nandrolon sehr schonend zur Haut. Die Testosteron-Derivate Boldenon und Methandienon können in DHT umgewandelt werden und sind deshalb ebenfalls mit Vorsicht zu betrachten, wenn eine entsprechende Veranlagung vorliegt.

Gegen Akne werden Medikamente zum Einnehmen, aber auch topische Mittel zum Auftragen eingesetzt. Hierbei kommt es darauf an, wie stark die Akne vorhanden ist und ob das gesundheitliche Kosten-Nutzen-Risiko stimmt. Kommen wir zunächst auf die Mittel, die eingesetzt werden, wenn die Akne relativ stark ausgeprägt ist. Zum Einnehmen steht z.B. der 5-alpha-Reduktasehemmer Dutasterid zur Verfügung. Dieser blockiert DHT um bis 95%. Ebenfalls werden orale Antibiotika (z.B. Minocyclin oder Doxycyclin) eingesetzt, da sie die Entzündungen der Hautporen verringern bzw. eliminieren. Zudem gibt es Antibiotika, die lokal als Creme oder Lösung aufgetragen werden, beispielsweise Chloramphenicol. Ein weiterer starker Wirkstoff ist Isotretinoin, welches zwar sehr gut wirkt, aber auch starke Anabolika Nebenwirkungen, wie z.B. Austrocknung von Lippen und Schleimhäuten oder steigende Leberwerte hat.

Bei leichter bis mittelmäßiger Akne können rezeptfreie Medikamente eingesetzt werden und erfüllen ihren Zweck. Der erste Wirkstoff ist Zink, sowohl zum Einnehmen als auch Auftragen (Cremes, Lotion). Dieser Mineralstoff verringert in geringem Maße die Umwandlung von Testosteron in DHT und trocknet etwas die Haut aus, was jedoch gewünscht ist, da die Haut bei der Steroidakne fettig ist. Zudem sind Cremes mit Benzolperoxid eine wirkungsvolle Option. Benzolperoxid schält quasi die oberste Hautschicht ab, sodass Verhornungen über den Poren entfernt werden und der Talg besser abfließen kann. Außerdem werden Entzündungen verringert, da der Wirkstoff ebenfalls bakteriostatisch wirkt.

  1. Schrumpfende Hoden und Impotenz nach dem Absetzen

Der Mythos, dass es durch die Einnahme von Steroiden zu einem kleinen männlichen Glied kommt, ist falsch und physiologisch nicht begründbar. Was aber tatsächlich passiert, ist eine Schrumpfung der Hoden. Dieser Umstand ist der Tatsache geschuldet, dass exogen Testosteron bzw. Testosteron-Derivate zugeführt werden und der Körper dadurch erkennt, dass genug Testosteron vorhanden ist. Somit stellt er die körpereigene Produktion ein, da es einfach „Energieverschwendung“ für ihn ist. Testosteron wird im männlichen Körper in den Leydig–Zellen der Hoden produziert. Da diese nun kein Testosteron mehr produzieren müssen, schrumpfen diese Zellen bzw. der Hoden. Hierbei handelt es sich in erster Linie um einen kosmetischen Makel, allerdings sorgen die kleinen Hoden für eine viel langsamere Regeneration des testosteronproduzierenden Regelkreislaufes („Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse“) beim Absetzen der Steroide. Da Testosteron für die Libido und Standfestigkeit verantwortlich ist, kann es nach dem Absetzen der Steroide zur sexuellen Unlust und zur Impotenz kommen. Besserung tritt ein, sobald die körpereigene Testosteronproduktion wieder funktioniert, was in der Regel nach ca. 2- 6 Monaten der Fall ist.

  1. Verstärkte Körperbehaarung

Durch Testosteron und durch die Umwandlung von Testosteron in Dihydrotestosteron, kommt es zu einer stärkeren Körperbehaarung. Diese Nebenwirkung kann Männer und Frauen betreffen.

Gesundheitliche Nebenwirkungen durch Anabolika

So unschön die kosmetischen Nebenwirkungen auch sein mögen; sie sind nicht lebensbedrohlich. Anders sieht es dahingegen bei den Anabolika Nebenwirkungen aus, auf die im folgenden Kapitel eingegangen wird. Sie sind nicht zu unterschätzen und stellen eine ernsthafte Gefahr für Leib und Leben dar. Entgegen der Annahme, dass es „immer nur die anderen trifft“, treten die Nebenwirkungen durchaus häufig auf, weshalb eine intensive Kosten-Nutzen-Analyse in Bezug auf Steroideinnahme durchgeführt werden sollte. Es muss einem klar sein, dass die nun vorgestellten Nebenwirkungen die durch Anabolika entstehen können, jeden treffen können und es (im individuellen Ausmaß) auch tun.

  1. Herz-Kreislauf-System

Steroide haben negative Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System. Einige Steroide, wie beispielsweise Testosteron oder Nandrolon, speichern Wasser im Körper. Dadurch kommt es zu einem erhöhten Blutdruck, denn das Wasser unter der Haut drückt quasi auf die Blutgefäße, sodass das Herz mehr Druck aufbringen muss, um das Blut durch die Gefäße zu pumpen. Außerdem verdicken Anabolika das Blut (durch Steigerung der roten Blutköperchen bzw. des Hämatokrits). Deshalb muss das Herz mehr Druck aufbringen, um das Blut durch den Körper zu transportieren. Dieser vermehrte Druck, den das Herz erzeugen muss, führt zu diversen Problemen. So kommt es zu einer Verdickung der Herzmuskelfasern (Herzmuskelhypertrophie). Außerdem kommt es zur vermehrten Bildung von Bindegewebe zwischen den Herzmuskelfasern. Das Herz wird dadurch steifer und es kommt zu einer höheren Kurzatmigkeit bei körperlichen Belastungen. Über einen längeren Zeitraum kommt es durch den erhöhten Anspruch an das Herz zu einer chronischen Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) und zu einer Erweiterung der Herzkammern; ein Drittel der Hochdruckpatienten stirbt hieran.[4]

Außerdem können Steroide, insbesondere das Steroid Stanozolol, die Cholesterinwerte bzw. das Verhältnis von HDL- zu LDL-Cholesterin verschlechtern. Das bedeutet, dass das „gute“ Cholesterin (HDL) abnimmt und das „schlechte“ Cholesterin (LDL) zunimmt. Das LDL-Cholesterin wird in der Leber gebildet und lagert sich anschließend in Gewebe und (Blut)Gefäßen ab, wohingegen das HDL-Cholesterin zurück zur Leber wandert. Durch die Ablagerung des LDL-Cholesterins in den Blutgefäßen, kann es zu einer Verhärtung der Blutgefäße –Gefäßverkalkung („Arteriosklerose“) -, zu einer Gefäßverengung, sowie zu Blutgerinnseln kommen.[5] Die Gefäßverengung kann am Herzen dazu führen, dass Herzmuskelzellen absterben und das Herz nicht mehr arbeiten kann – es kommt somit zum Herzinfarkt mit eventuell tödlichen Folgen. Tritt eine Gefäßverengung und damit Blutunterversorgung im Gehirn auf, kommt es zum sogenannten „Schlaganfall“. Die Folge sind absterbende Gehirnareale mit Verlust der dort angesiedelten Funktion. So kann es zu Gedächtnisverlust oder auch zu Lähmungen kommen.[6]  Die Arteriosklerose kann darüber hinaus zur Blut- und Sauerstoffunterversorgung von Körperarealen, z.B. der Füße, führen, sodass diese absterben („Gängran“). [7]

Eine weitere Nebenwirkung von anabolen Steroiden ist das Wachstum der linken Herzkammer (linkventrikuläre Herzmuskelhypertrophie), welche gut dokumentiert ist.[8] Die linke Herzkammer pumpt Blut, welches in das Herz geflossen ist und mit Sauerstoff angereichert wurde, in den Körper. Wenn die linke Herzkammer zu stark entwickelt ist, kann dies zu tödlichen Herzrhythmusstörungen führen.

 

  1. Leber

Vor allem oral eingenommene Steroide können zu Leberbeschwerden führen. Das liegt an der Veränderung der chemischen Struktur von bestimmten Steroiden, der 17-Alpha-Alkylierung.[9] Diese Manipulation des Steroidmoleküls ist nötig, da ansonsten das oral aufgenommene Steroid sehr schnell vom Körper abgebaut werden würde und es eine sehr kurze Wirkstoffspitze geben würde, aber keine anhaltende bzw. effektive Wirkung hätte. Das Problem ist jedoch, dass diese 17-Alpha-Alkylierung, in der Regel, zu einer starken Leberbelastung führt. Deshalb lauten die Empfehlungen diese Art der Steroide nicht länger als 6-8 Wochen am Stück einzunehmen. Beispiele für orale 17-alpha-alkylierte Steroide sind Metandienon, Oxymetholon und Stanozolol. Es kann zu Gelbsucht, Lebergeschwulsten und Leberkrebs kommen.[10] Diese Nebenwirkungen können tödliche Folgen haben und sogar die „harmlos“ klingende Gelbsucht kann ernste Probleme, wie beispielweise eine Verschlechterung der Gehirnfunktion und Bewusstseinsstörungen (mit Verwirrtheit und Benommenheit) sowie eine erhöhte Blutungsneigung zur Folge haben.[11]

 

III. Niere

Anabolika können durch verschiedene Mechanismen die Nieren schädigen. Steroide können, wie bereits erläutert, zu Bluthochdruck führen, wobei dieser mit arteriosklerotischen Veränderungen in den feinsten Äderchen in der Niere einhergeht (sogenannte „Nephrosklerose“). Diese feinen Äderchen sind ein Teil des menschlichen Filtersystems für Blut und weitere Flüssigkeiten. Sind diese Äderchen durch Arteriosklerose geschädigt, so kommt es zur Anhäufung von Stoffwechselabfallprodukten im Körper, welche eigentlich ausgeschieden werden sollten. Außerdem kann der Körper durch die Schädigung des Filtersystems bestimmte, sehr wichtige, Eiweiße nicht mehr im Körper behalten, sondern scheidet sie aus. Zudem kommt es durch die Arteriosklerose in den Nierenäderchen zu einer schlechteren Nierendurchblutung, sodass das blutdruckregulierende Hormonsystem der Niere („Renin-Angiotensin-Aldosteron-System“) angeregt wird und es somit nochmals zu einer Blutdruckerhöhung kommt. Alle Effekte zusammengenommen können zu Nierenschäden, einer Nierenfunktionsbeeinträchtigung und sogar zu tödlichem Nierenversagen führen.[12]

 

  1. Prostatavergrößerung

Bestimmte Anabolika, wie beispielsweise Testosteron, konvertieren mittels des Enzyms 5-alpha-Reduktase zu Dihydrotestosteron (DHT). DHT ist, neben Bartwuchs und anderen androgenen Wirkungen, auch für das Wachstum der Prostata verantwortlich. Für die Entwicklung der Prostata (im Jugendalter z.B) ist DHT notwendig. Jedoch begünstigt ein übermäßig hoher DHT-Spiegel, wie er durch die Einnahme von Steroiden erzeugt wird, ein übermäßig starkes Wachstum der Prostata. Eine vergrößerte Prostata kann zu Problemen beim Wasserlassen („Miktionsstörungen“) führen. Es kann dazu führen, dass sich die Harnentleerung beim Wasserlassen zu Beginn verzögert und das nach Anschluss noch Harn nachträufeln kann. Ebenso kann es zu einem häufigen, plötzlich und stark auftretendem Harndrang kommen, obwohl die Harnmenge nur gering ist. Durchschlafen wird dadurch erschwert. Weiterhin kann es zu Schmerzen beim Wasserlassen kommen. Durch eine Prostatavergrößerung ist die Gefahr von Harnwegsinfekten (inklusive hohem Fieber und starken Schmerzen) und Entzündungen erhöht.[13]

 

  1. Unfruchtbarkeit und körpereigener Testosteronwert gegen Null

Durch die Einnahme von Anabolika, kommt es zu einer Einstellung der körpereigenen Testosteronproduktion. Der hormonelle, testosteronproduzierende Regelkreislauf wird eingestellt, d.h. sämtliche Hormone, die daran beteiligt sind, werden runterreguliert. Der hormonelle Regelkreislauf ist wie folgt: Der Hypothalamus schüttet das Hormon GnRH aus, woraufhin die Hypohyse mit der Ausschüttung des luteinisierenden Hormons (LH) und des follikelstimulierenden Hormons (FSH) reagiert. Im nächsten Schritt sorgt das LH in den Leydig-Zellen in den Hoden für eine Ausschüttung von Testosteron und das FSH führt in den Sertolli-Zellen zur Heranreifung von Samenzellen. Wie erwähnt, wird dieser Kreislauf eingestellt und FSH somit auch nicht mehr ausgeschüttet. Somit kommt es zu keiner Heranreifung der Samenzellen und der Mann ist quasi unfruchtbar (Ausnahmen bestätigen die Regel).

Werden Steroide eingenommen produziert der Körper kein eigenes Testosteron mehr. Der Effekt tritt relativ schnell, nach ca. 2 Einnahmewochen, auf. Während der Zufuhr von Steroiden ist dies auch kein Problem; aber wenn die Einnahme von Steroiden gestoppt wird, muss der Körper wieder erst einmal lernen selbst Testosteron zu produzieren. Das kann je nach Steroid 2-6 Monate dauern. Es gibt aber auch Fälle, die sich ihre körpereigene Testosteronproduktion durch die Einnahme von Anabolika für ihr Leben lang zerstört haben und deshalb auf exogene Hormonzufuhr angewiesen sind. Steroide, die sehr stark auf die körpereigene Testosteron-Achse schlagen, sind Trenbolon und Nandrolon.

 

  1. Psychische Nebenwirkungen bei Anabolika Missbrauch

Anabolika können, sowohl während der Einnahme als auch während dem Absetzen, diverse Wirkungen auf die Psyche haben. Wirkstoffe, die in DHT konvertieren, haben positive Auswirkungen auf die Psyche, wie Motivationssteigerung, Steigerung der Energie und des „Bisses“. Allerdings steigern in DHT-konvertierende Steroide ebenfalls die Aggressivität und es kann je nach Typus zur sogenannten „Roid Rage“ kommen. Das sind unkontrollierbare Wutausbrüche, die sich in völlig ungerechtfertigten Alltagssituationen, wie beim Autofahren, zeigen. Ein Steroid welches zwar nicht in DHT konvertiert, aber besonders bekannt für seine aggressionssteigerndes Potenzial ist, ist Trenbolon. Die Aggressionen können vielfältige Probleme mit sich bringen. Es kann Beziehungen zu anderen Menschen stark negativ beeinflussen und zu gravierenden Konflikten führen. Streitigkeiten unter Freunden und in der Familie sowie Beziehungsprobleme mit dem Partner können die Folge sein. Ebenfalls kann der Beruf darunter leiden; man stelle sich nur vor, man kann seine Emotionen nicht beherrschen und beginnt Kollegen, den Chef oder Kunden aggressiv anzufahren. Falls es zu starken körperlichen aber auch verbalen Ausartungen kommt, kann dies juristische Probleme nach sich ziehen.

Nach dem Absetzen der Steroide kommt es zu einem Abfall des Testosteron- und DHT-Spiegels im Körper. Das bringt genau den gegenteiligen Effekt zum Tragen: Es kommt zum allgemeinen Motivationsverlust und zur Verringerung der Energie. Zudem kann es zu einer depressiven Verstimmung und starken Stimmungsschwankungen kommen.[14]

 

VII. Spezielle Anabolika Nebenwirkungen bei Frauen

Die androgene Komponente von in DHT-konvertierenden Steroide führt bei Frauen zu vermännlichenden Nebenwirkungen. Dabei gibt es Nebenwirkungen, die sowohl Männer als auch Frauen betreffen, wie z.B. gesteigerte Aggressivität, Zunahme der Körperbehaarung, Akne und Haarausfall. Allerdings gibt es geschlechtsspezifische Nebenwirkungen, die nur Frauen erleiden. Diese sind die Verhinderung eines Eisprungs, unregelmäßige Menstruation, eine Vergrößerung der Klitoris, Vertiefung der Stimme sowie eine Brustverkleinerung. Von diesen Steroid Nebenwirkungen gelten die letzten drei als irreversibel (nicht mehr rückgängig zu machen).[15]

Fazit

Anabolika bzw. Anabole-androgene Steroide (AAS) können zu Muskelwachstum führen, welches die natürlichen Grenzen überschreitet. Riesige Muskelberge wie sie in den Magazinen abgebildet sind, werden realistischer. Solch ein Körper hat allerdings einen hohen Preis. Wie in dem Artikel dargelegt wurde, ist mit ernsthaften Nebenwirkungen bei Anabolika Konsumzu rechnen, die nicht nur das Aussehen (z.B. Gynokämastie oder starke Akne) betreffen, sondern die auch tödlich enden können.

Es kann zu Herzinfarkt, Schlaganfall oder Nieren- sowie Leberversagen kommen. Dabei sind gerade die gesundheitlichen Nebenwirkungen unvorhersehbar und in den letzten Jahrzehnten, gab es eine Unzahl an Bodybuildern, die durch den Konsum von Steroiden gestorben sind. Die wohl aktuellsten Todesfälle, die durch Dopingmittel verursacht wurden, sind die von Profi-Bodybuilder Dallas McCarver (gerade einmal 26 Jahre alt!!) und von Social-Media-Star und ehemaligem Wettkampf-Bodybuilder Rich Piana (46 Jahre). Beide verstarben im August 2017.[16] Diese Fälle werden durch viele weitere tragische Todesfälle ergänzt. Dazu zählen die von Andreas Münzer, Art Atwood, Nasser El Sonbaty, Mohamed Benaziza und viele andere! Das Traurige ist, dass diese Männer allesamt sehr jung gestorben sind. Zudem sind Viele auch lange Zeit nach ihrer Bodybuilding-Karriere gestorben. Das bedeutet, dass auch wenn die Blutwerte heute in Ordnung sind, es in Zukunft zu tödlichen Anabolika Nebenwirkungen kommen kann und diese kann keiner vorhersehen. Steroide sind wie russisches Roulette und man weiß nicht, wann einen die Kugel trifft.

Körper wie die von hochkarätigen Wettkampf-Bodybuildern sind ohne Einsatz von leistungssteigernden Mitteln nicht zu erreichen. Jedoch lässt sich ein definierter, muskulöser Körper, der aus der Masse heraussticht auch ohne Anabolika erreichen. Dafür bedarf es des richtigen Wissens über Ernährung, Trainings sowie der Erholung – und dann muss man dieses Wissen auch in die Praxis umsetzen. Macht man das konsistent und lange genug, dann ist ein Top Körper absolut drin. 85 Kilogramm auf 1,80m bei einem Körperfettanteil von 8-9 % sind für die meisten Menschen definitiv im Rahmen des Machbaren. Zudem haben viele Menschen gar nicht den Wunsch den Körper eines Mr. Olympia zu erreichen, sondern wollen eben nur diesen muskulösen Körper, der auch auf natürliche, gesunde Weise zu erreichen ist. Und deshalb rate ich dir ganz klar von Anabolika ab.

Quellenangaben:

[1] https://www.netdoktor.de/krankheiten/gynaekomastie/

[2] https://flexikon.doccheck.com/de/Aromatasehemmer?utm_source=DocCheck&utm_medium=DC%20Weiterfuehrende%20Inhalte&utm_campaign=DC%20Weiterfuehrende%20Inhalte%20flexikon.doccheck.com

[3] https://www.aerztezeitung.de/panorama/sport/sportmedizin/article/388713/steroidakne-jedem-zweiten-dopingsuender.html

[4] https://www.internisten-im-netz.de/krankheiten/bluthochdruck/auswirkungen/

[5] https://www.onmeda.de/krankheiten/arteriosklerose.html

[6] https://www.onmeda.de/krankheiten/arteriosklerose.html

[7] https://www.hochdruckliga.de/tl_files/content/dhl/folien/Foliensatz_1.pdf – Folie 24

[8] https://link.springer.com/article/10.1007/s00059-006-2856-0

[9]  http://www.doping-prevention.com/de/wirkstoffe-und-methoden/anabole-wirkstoffe/anabole-wirkstoffe/leber.html

[10] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11366381

[11] https://www.msdmanuals.com/de-de/heim/leber-und-gallenstörungen/krankheitsbilder-bei-lebererkrankungen/gelbsucht-bei-erwachsenen

[12] https://www.internisten-im-netz.de/krankheiten/bluthochdruck/auswirkungen/

[13] https://www.prostata.de/wissen/benignes-prostatasyndrom/zeichen-und-komplikationen-des-bps

[14] http://www.doping-prevention.com/de/wirkstoffe-und-methoden/anabole-wirkstoffe/nebenwirkungen.html

[15] http://www.doping-prevention.com/de/wirkstoffe-und-methoden/anabole-wirkstoffe/nebenwirkungen.html

[16] https://www.focus.de/sport/diverses/autopsiebericht-veroeffentlicht-bodybuilder-dallas-mccarver-starb-an-einem-herzinfarkt_id_7912834.html
https://www.welt.de/sport/fitness/article167992820/Extrem-Bodybuilder-Rich-Piana-mit-46-Jahren-gestorben.html