Dianabol/Metandienon/Methandrostenolon

  • Summenformel: C20 H28 O2
  • Molekulargewicht: 300,44
  • Verhältnis anaboler : androgener Wirkung:
    90-210 : 40-60 (relativ zu Methyltestosteron)
  • Einnahme: oral und Injektion
  • Wirkungsdauer: ca. 6 Stunden
  • Nachweisbarkeit: ca. 6 Wochen

Kaum ein Bodybuilder kennt Dianabol nicht. Der Wirkstoff hinter Dianabol heißt Metandienon bzw. Methandrostenolon, wie er in osteuropäischen Ländern genannt wird, gehört zusammen mit Testosteron und Nandrolon zu den bekanntesten und beliebtesten Anabolika. Es gibt nur wenige Anabolikaverwender, die ihre erste Steroidkur nicht mit dem Wirkstoff Metandienon gestartet haben. Egal ob in Form des thailändischen „Danabol” (die sogenannten „Thais” aus Thailand), der russischen „Methandrostenolon” oder der polnischen „Metanabol”, quasi jeder (roidnutzende) Bodybuilder wird diesen Wirkstoff schon einmal verwendet haben. Der chemische Name ist 17a-methyl-17b-hydroxy-1,4-androstadien-3-one.

Dianabol Wirkung Bodybuilding
Methandrostenolon ist für eine dramatische Steigerung der Proteinsyntheserate und einen schnellen und starken Anstieg der Körperkraft bekannt. Außerdem beschleunigt Dianabol die Wiederauffüllung der Glykogenspeicher der Muskulatur nach dem Training und ermöglicht so durch eine schnellere Regeneration ein häufigeres Training.

Konsumenten von Metandienon berichten oft von einem ausgeprägten Masseaufbau und einer deutlichen Leistungssteigerung, wobei ein nicht unbedeutender Teil dieser Masse aus Wassereinlagerungen besteht, die nach Ende der Einnahmephase schnell wieder ausgeschieden werden. In der Regel können die mit Hilfe von Methandrostenolon aufgebauten Zuwächse an Masse und Kraft nach dem Absetzen nur zu einem kleinen Teil aufrechterhalten werden. Deshalb eignet sich Dianabol NICHT als Only-Kur – also als Kur mit ausschließlich diesem Wirkstoff. (z.B. für Leute, die Angst vor Spritzen haben und deshalb auf Dianabol ausweichen wollen)

Anders als die meisten denken, besitzt Metandienon eine deutlich stärkere Wirkung als das, häufig als stärkste orale Steroid bezeichnete, Oxymetholon. Dieses Missverständnis kommt daher, dass die in der Praxis beobachteten Oxymetholon Dosierungen in der Regel 2 bis 4 mal so hoch wie die durchschnittlich beobachteten Methandrostenolon Dosierungen sind (Bsp.: Dianabol 20-40mg/Tag, Oxys 50-150mg/Tag)

Dianabol Nebenwirkungen

Neben seinen stark ausgeprägten Wirkungen besitzt Dianabol eine ganze Reihe von Nebenwirkungen.

Da Dianabol wie bereits erwähnt wurde, im Körper in 17-a-Methylöstradiol umgewandelt wird, muss mit dosisabhängigen, ausgeprägten östrogenbedingten Nebenwirkungen wie Wassereinlagerungen, östrogenbedingtem Fettaufbau, Gynäkomastie (Ausbildung einer weiblichen Brust mit Drüsengewebe beim Mann) und erhöhtem Blutdruck gerechnet werden.

In der Praxis kann beobachtet werden, dass Anwender Aromatasehemmer wie Arimidex (Anastrozole), Aromasin (Exemestan) oder Östrogenrezeptorblocker wie Nolvadex (Tamoxifen) einsetzen, um diese Nebenwirkungen in den Griff zu bekommen.

Zusätzlich hierzu besitzt Methandrostenolon ein ausgeprägtes Potential für androgenbedingte Nebenwirkungen wie Akne, fettige Haut, gesteigerte Aggression, Verschlimmerung eines androgenbedingten Haarausfalls und Verstärkung des Wachstums der Körperbehaarung. Da der größte Teil dieser Nebenwirkungen vom Dianabol selbst und nicht von seinem 5-alpha-reduzierten Stoffwechselprodukt ausgeht, kann diesen Nebenwirkungen nicht durch die Einnahme eines 5-alpha-Reduktase Hemmers (zB Finasterid) entgegengewirkt werden.

Aufgrund der Tatsache, dass Metandienon alpha-17-alkyliert ist, geht von Dianabol eine hohe Leberbelastung aus. Häufig kommt es bereits nach einer recht kurzen Einnahmephase zu einer deutlichen Verschlechterung der Leberwerte. Eine längerfristige Einnahme von Dianabol kann zu permanenten Leberschäden und eventuell auch Leberkrebs führen. Warnsignale für eine beginnende Leberschädigung sind eine Gelbverfärbung von Haut und Augen, die auch als Gelbsucht bezeichnet wird. Anders als Stanozolol und Anavar führt die Einnahme von Metandienon in der Regel nur zu einer geringen Verschlechterung der Blutfett-/Cholesterinwerte.

Außerdem kommt es besonders bei Männern zu einer Beeinträchtigung der Hormon- und Spermienproduktion und zu vorübergehender Unfruchtbarkeit.

Wie praktisch alle anabolen Steroide unterdrückt auch Dianabol die körpereigene Testosteronproduktion („die Achse wird geplättet“), wobei diese Unterdrückung laut einer Studie etwas schwächer als bei vielen anderen Steroiden auszufallen scheint. Der Grad der Unterdrückung ist außerdem stark von der verwendeten Dosierung und der Dauer der Einnahme abhängig.

WICHTIG:
Deshalb ist es wichtig, im Anschluss an den Steroidkonsum eine PCT (eine sogenannte Post Cyle Therapy) zu machen, um die endogene Testosteronproduktion so schnell wie möglich wieder zum Laufen zu bringen! VORSICHT, im schlimmsten Fall ist „die Achse geschrottet“, was bedeutet, dass man kein Testosteron mehr produziert und lebenslang auf eine TRT (Testosteronersatztherapie) angewiesen ist!

Dianabol in der Praxis – Ein paar Beispiele

Da die Anwendung von Dianabol in der Regel zu starken östrogenbedingten Wasser- und Fetteinlagerungen führt, wird dieser Wirkstoff hauptsächlich für den Masseaufbau und nur selten während der Diät und Wettkampfvorbereitung eingesetzt, auch wenn Metandienon aufgrund seiner starken antikatabolen (muskelaufbauenden) Wirkung in Rahmen eines Kaloriendefizits gut vor einem Muskelabbau schützen sollte.

Anfänger, die Angst vor Injektionen haben, setzen Dianabol oft als alleinigen Wirkstoff, im Gegensatz zu erfahrenen Bodybuildern, die Metandienon in Kombination mit anderen Steroiden in längere Einnahmezyklen mit einbauen. Oder sie setzen Dianabol wegen der sofort spürbaren Wirkung am Anfang eines Steroidzyklus als „Kickstarter“ eins, bis die verestherten, injizierbaren Steroide einen Spiegel aufbauen und wirken.

Auch für so genannte „Bridgen“ zwischen zwei Steroidzyklen wird es benutzt. Hierbei wird Metandienon nur morgens in geringer Dosierung genommen, um eine gewisse anabole Wirkung zu erreichen, während man sich erhofft, dass die körpereigene Testosteronproduktion aufgrund der kurzen Wirkzeit von Metandienon langsam wieder in Gang kommt, da über mehr als die Hälfte des Tages keine exogenen Steroide im Körper vorhanden sind. Die Effektivität dieser Vorgehensweise ist aber als mehr zweifelhaft.

Im Ausdauersport wird Metandienon eher nicht eingesetzt, weil der Wirkstoff die Zellatmung und im Gegensatz zu den meisten anderen Steroiden, auch die Anzahl der roten Blutkörperchen reduziert. Beides führt zu einer schlechteren aeroben Ausdauerleistung.

„Breakfast of the Champions“ – Wie Dianabol entstand

Der Wirkstoff Metandienon wurde Mitte der fünfziger Jahre erstmals in der wissenschaftlichen Fachliteratur erwähnt. Der Pharmahersteller Ciba Pharmaceuticals entwickelte aus diesem Wirkstoff in Kooperation mit dem medizinischen Betreuer des amerikanischen olympischen Gewichtheberteams, das Präparat Dianabol, das 1958 auf den Markt kam.

Im Bereich des Kraftsports und des Bodybuildings erfreute sich Dianabol schnell einer sehr großen Beliebtheit und war eine lange Zeit lang das am häufigsten eingesetzte Steroid überhaupt. Diese Beliebtheit brachte ihm den Namen „Breakfast of the Champions“ (Frühstück der Champions) ein.

Aufgrund der Nebenwirkungen nahm Ciba Dianabol 1982 vom Markt. Auch in Deutschland ist Dianabol nicht mehr im Handel. In Polen (Handelsname: Metanabol®) und Rumänien (Handelsname: Naposim®) ist der Arzneistoff noch erhältlich. DIE EINFUHR NACH DEUTSCHLAND IST VERBOTEN!

Wofür Dianabol eigentlich entwickelt wurde

Der ursprüngliche medizinische Einsatzbereich von Metandienon umfasste die Behandlung von katabolen (muskelabbauenden) Zuständen infolge von Krankheiten (Krebs, Muskelschwund, schwere OPs, etc), die Behandlung von Osteoporose nach den Wechseljahren bei Frauen, sowie die Behandlung von Zwergenwuchs.

Dianabol Wirkstoff – knapp und wissenschaftlich erklärt
Metandienon ist durch seine Methylierung ein 17α-alkyliertes Steroid. Diese Alkylierung bedingt, dass Dianabol nur einem geringen First-Pass-Effekt unterliegt, also oral eingenommen werden kann. Ohne Methylierung würde das oral eingenommene Metandienon einfach von der Leber verstoffwechselt werden, ohne zu wirken. Diesen „First Pass“ umgeht man damit.

Metandienon ist ein Testosteron Derivat (Abkömmling), das sich durch eine zusätzliche Doppelbindung zwischen dem ersten und dem zweiten Kohlenstoffatom und einer Methylgruppe an Position 17 von Testosteron unterscheidet. Durch die zusätzliche Doppelbindung sinkt im Vergleich zu Testosteron die Affinität für den Androgenrezeptor (theoretisch weniger androgene Nebenwirkungen, dazu gleich mehr) und die zusätzliche Methylgruppe an Position 17 (alpha-17-Alkylierung) schützt das Molekül vor einem Abbau durch die Leber, wodurch Dianabol überhaupt erst oral verfügbar wird. Vom Steroid Boldenon unterscheidet sich Metandienon nur durch die zusätzliche alpha-17-Alkylierung (quasi ein orales Boldenon).

Aufgrund der alpha-17-Alkylierung weist Metandienon im Vergleich zu Testosteron eine deutlich reduzierte Bindungsaffinität für SHBG (Sexualhormon bindendes Globulin) auf, was dazu führt, dass im Körper mehr Dianabol in freier, ungebundener Form vorliegt. Dies ist deshalb interessant, weil nur der in freier Form vorliegende

Wirkstoffanteil im Körper eine Wirkung entfalten kann, während der gebundene Anteil inaktiv ist.

Die geringe Bindungsaffinität für SHBG und die deshalb höhere in freier Form vorliegende Wirkstoffmenge ist die Erklärung dafür, dass Metandienon trotz einer im Vergleich zu Testosteron geringeren Bindungsaffinität für den Androgenrezeptor eine starke anabole Wirkung entfaltet. Neuere Studien konnten zeigen, dass Metandienon trotz einer geringen Affinität für den Androgenrezeptor einen starken Aktivator dieses Rezeptors darstellt und seine Wirkung primär auf die Interaktion mit dem Androgenrezeptor zurückgeführt werden kann.

Im Körper kann Metandienon durch das Aromataseenzym in Östrogen (weibliches Hormon) umgewandelt werden. Obwohl Metandienon aufgrund der alpha-17-Alkylierung und der zusätzlichen Doppelbindung eine im Vergleich zu Testosteron geringere Affinität für das Aromataseenzym aufweist, fällt die Östrogenwirkung von Metandienon recht stark aus. Dies beruht darauf, dass Metandienon aufgrund der alpha-17-Alkylierung nicht wie Testosteron in Östrogen, sondern in deutlich wirksameres 17-alpha-Methylöstradiol umgewandelt wird, welches aufgrund seiner Resistenz gegenüber dem Abbau in der Leber eine viel längere Halbwertszeit als Östrogen hat und so länger wirken kann, mit seinen negativen Folgen (siehe Nebenwirkungen).

 

 

Quellenangaben

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