Gynäkomastie – Ursachen, Arten und Behandlung

Die Gynäkomastie (Szenesprache Gyno, Bitchtits) wird zurecht von vielen Bodybuildern gefürchtet und gehasst. Vor allem bei Leuten, die mit Anabolika unterstützen, kann diese Männerbrust auftreten, aber auch naturale Athleten kann eine Gynäkomastie treffen. Woher sie genau kommt und was man gegen einen Männerbusen tun kann, haben wir in diesem Artikel für euch zusammengefasst.

Beschreibung

Gynäkomastie nennt man das weibliche Brustdrüsenwachstum beim Mann. Dabei wächst das Drüsengewebe, das (wie in der Pubertät bei Mädchen) verschiedene Stadien durchläuft. Ärzte unterscheiden verschiedene Formen der Gynäkomastie, je nachdem welche Ursache vorliegt. Je nachdem, ob es sich bei dabei um einen natürlichen (physiologischen) oder einen krankhaften (pathologischen) Prozess handelt, weiß der Arzt ob und wie die Gynäkomastie behandelt werden muss. Eine Gynäkomastie kann entweder einseitig oder beidseitig im Brustbereich auftreten. Die Gynäkomastie ist eigentlich ein Symptom, keine eigenständige Krankheit. Der Auslöser muss gefunden werden, damit dann effektiv dagegen vorgegangen werden kann.

Ursachen

In den meisten Fällen beeinflusst eine Krankheit, ein normaler Körperprozess, Medikamente oder Drogen das Hormonverhältnis von Testosteron und Östrogen: Der normale Testosteronspiegel liegt bei erwachsenen jungen Männern circa bei sechs Nanogramm pro Milliliter Blut (ng/ml, Normwert 3-11), der normale Östrogenspiegel bei 20 bis 40 Picogramm (pg/ml). Dadurch ergibt sich ein Testosteron/Östrogen-Quotient von etwa 200-300.

Wichtig zu wissen: Das Brustdrüsengewebe reagiert sehr sensibel auf Schwankungen im männlichen Hormonhaushalt, sodass es bei Störungen des Gleichgewichtes zu der gehassten Brustvergrößerung kommen kann. Alle Dinge, die in dieses Gleichgewicht eingreifen, spielen also eine Rolle.

Gynäkomastie Arten

Physiologische, Pathologische und Pseudo-Gynäkomastie – wichtige Unterschiede

Es gibt zwei Hauptgruppen der Gynäkomastie. Auf der einen Seite steht die pathologische Gynäkomastie. Hier handelt es sich um ein Brustwachstum bei Männern, das aufgrund von Hormonstörungen hervorgerufen wird.

Bei der physiologischen Gynäkomastie liegt die Ursache in dem veränderten Gleichgewicht zwischen weiblichen Geschlechtshormonen (Östrogenen) und dem männlichen Geschlechtshormon (Testosteron).

Die dritte Art von Gynäkomastie ist eigentlich gar keine. Bei der Pseudogynäkomastie (Ärzte sprechen hier von Lipomastie) liegt die Brustvergrößerung beim Mann an Übergewicht oder der Fettsucht (Adipositas).

Physiologische Gynäkomastie

Bei der physiologischen Gynäkomastie kann das Brustwachstum die Folge einer akuten Krankheit sein. Diese stört das Hormongleichgewicht oder findet direkt in der Brust statt. Hier werden, je nach Ursache, verschiedene Untergruppierungen differenziert. Bei der erblichen Gynäkomastie liegt das Problem bei der Weiterverarbeitung von Hormonen. Chronische Erkrankungen (beispielsweise der Leber, Nieren, Hoden oder bei Untergewicht) können ebenso Grund für eine Brustvergrößerung sein wie eine Krebserkrankung. Am häufigsten werden für die physiologischen Gynäkomastie die Einnahme von Drogen, Medikamenten (unter anderem Testosteron und andere anabole Substanzen) und Pflegeprodukte verantwortlich gemacht.

Pathologische Gynäkomastie

Sobald der Anteil von weiblichen Geschlechtshormonen, die normalerweise in sehr geringer Menge im männlichen Körper vorhanden sind, steigt, kommt es zur pathologischen Gynäkomastie. Diese Art des Brustwachstums braucht normalerweise keine Behandlung, weil es sich meist um ein vorübergehendes Erscheinungsbild handelt. Die Männerbrust „verschwindet“ in manchen Fällen nach einigen Jahren. Erst wenn die Veränderung den Patienten zu stark mental belastet, sollte über eine Behandlung nachgedacht werden. Man unterscheidet hier unter Neugeborenen-, Pubertäts- und Altersgynäkomastie.

Pseudogynäkomastie (Lipomastie)

Wie bereits erwähnt ist es wichtig, eine Gynäkomastie von der Lipomastie zu unterscheiden! Im Falle der Pseudogynäkomastie vermehrt sich nämlich nicht das Drüsengewebe, sondern es wird zu viel Fett in der Brust eingelagert. Umgangssprachlich wird hier oft von „Biertitten“ geredet. Über den Spiegel, Caliper oder BMI (nicht bei Bodybuildern) kann jeder selbst recht einfach einschätzen, ob er an Übergewicht leidet – die passende Diät und Trainingsmethode lässt sich bei Ernährungs- & Sportberatern finden. Trotzdem sollte zunächst immer ein Arzt aufgesucht werden, weil es sich in solchen Fällen um eine Mischform der Gynäkomastie handeln kann!

Sonderform: Trengyno

Um eine Sonderform handelt es sich bei der Trenbolon-/Nandrolon bedingten Gynäkomastie. Da Nandrolon als Progestin wirkt und im Körper das Prolaktin ansteigt, kann eine Gynäkomastie entstehen. Dazu mehr im Nandrolonartikel.

Symptome

Grundsätzlich kann man sagen, dass die Gynäkomastie das eigentliche Symptom ist. Die Gynäkomastie ist keine eigenständige Krankheit, sondern eher die Folge von einer. Es ist also auf jeden Fall nötig, den Auslöser der Gynäkomastie zu finden und dann mit diesem Wissen die passende Therapie einzusetzen

Trotzdem löst eine Gynäkomastie oft subjektive Beschwerden aus. Die können zum Beispiel schmerz- und berührungsempfindliche Brustwarzen, Bewegungseinschränkungen und/oder Spannungsgefühle in der Männerbrust sein. Es kann aber auch sein, dass sich die Gynäkomastie nur durch die Vergrößerung einer oder beider Brüste ohne zusätzliche Beschwerden zeigt.

Viel signifikanter ist die psychische Belastung, unter der die meisten mit Gynäkomastie leiden. Besonders bei jungen Männern mit Pubertätsgynäkomastie kann das extrem sein. Zusätzlich zum allgemeinen Stress, den man in diesem Alter hat, führt der Männerbusen zu regelrechten Angstzuständen. (Was nachvollziehbar ist, denkt man an Situationen im Schwimmbad oder Umkleidekabinen in der Schule)

Behandlungsmöglichkeiten

Je nachdem welche Ursache die Gynäkomastie hat, sind mehrere Behandlungsansätze möglich.

Bei einer Pubertätsgyno muss meistens nichts gemacht werden, da sich im Laufe der Pubertät das Hormongleichgewicht einpendelt. Es besteht aber ein Restrisiko, dass Reste einer Pubertätsgyno bis ins Erwachsenenalter übrigbleiben und operativ entfernt werden müssen.

Bei einer Lipomastie/Pseudogyno reicht (solange nicht zusätzlich vergrößerte Brustdrüsen vorhanden sind) ein Senken des Körperfettanteils in Kombination mit Muskelaufbau aus, um den unschönen Männerbusen verschwinden zu lassen.

Wenn injizierte Substanzen der Grund sind (eine sogenannte Substanzen induzierte Gynäkomastie), sieht die Sache schon anders aus.

Bei der Einnahme von Testosteron, wird immer ein Teil durch die Aromatase in Östrogen umgewandelt. Steigt nun der Östrogenanteil, weil kein Aromataseinhibitor (wie Arimidex oder Aromasin) verwendet wird, wird das zwangsläufig ab einem bestimmten Östrogenwert zu einem Männerbusen führen (der Wert ist bei jedem individuell, der eine bekommt bei 80er Östro eine Gyno, der andere spürt bei 200er Östro nicht mal juckende Brustwarzen).

Bei einer neu entstandenen, steroidinduzierten Gynäkomastie ist es also notwendig, den Östrogenspiegel in den Normbereich zu drücken. Das macht man mit Arimidex, Aromasin oder Letrozol. Den Östrogenwert bestimmt man mit einer Blutabnahme.

Gleichzeitig nimmt man Tamoxifen ein, solange bis die Knoten in der Brust verschwunden sind und kein vergrößertes Drüsengewebe mehr tastbar ist. Anschließend kann man das Tamoxifen absetzen, den Aromataseinhibitor aber muss man dauerhaft einnehmen, um den Östrogenwert auch dauerhaft im normalen Bereich zu halten.

In letzter Zeit hat sich als Alternative die alleinige, höherdosierte Einnahme von Letrozol etabliert. Damit drückt man, solange die Gynobeschwerden auftreten, den Östrogenwert auf 0, was zur Rückbildung der Männerbrust in häufigen Fällen führen kann. Nach Abschluss der Behandlung dosiert man seinen Aromataseinhibitor so, dass der Östrogenspiegel in der Norm ist.

Sollten diese Lösungsansätze nicht anschlagen, bleibt nur noch eine Operation, in der das krankhaft vergrößerte Drüsengewebe entfernt wird.

Quellenangaben

Thieme-Duale Reihe: Innere Medizin; 3. Auflage;2013, ISBN: 978131181633
Innere Medizin; Berthold Block: Leitlinien 2007/2008
Zusammenstellung evidenzbasierter Leitlinien und Empfehlungen; Thieme-Verlag
Plastische Chirurgie; Alfred Berger, Robert Hierner;Springer, Dec 13, 2006
Klinische Endokrinologie und Stoffwechsel; Peter Paul Nawroth, Reinhard Ziegler; Springer DE, 2001
S1-Leitlinie Gynäkomastie (Fassung von 1/2011)
Innere Medizin,Wolfgang Piper (2. Auflage, Springer 2013