Nandrolon – Nebenwirkungen, Anwendung und Pharmakologie

Nandrolon ist, neben Dianabol und natürlich Testosteron, wohl das beliebteste und am häufigsten eingesetzte Roid überhaupt. Fast jeder stoffende Bodybuilder hat in seinem Stack schon mal Nandrolon gehabt. Nandrolon gibt es in 2 Estherformen: Nandrolonphenylpropionat(NPP) und Nandrolondecanoat(Deca). Es gab auch mal Nandrolon Cypionat, das wurde aber nur noch in der Tiermedizin eingesetzt und ist deswegen für uns unbedeutend.

Das NPP kumuliert aufgrund seiner dem Enantat ähnlichen etwas kürzeren Halbwertszeit nicht so stark wie das Decanoat, wodurch weniger Nebenwirkungen zu erwarten sind und bei auftretenden Problemen der Wirkstoff schnell wieder aus dem Kreislauf ist. Deca eignet sich eher für Bodybuilder, die sich vor häufigen Injektionen scheuen oder die einfach nur so viel Masse wie nur möglich draufpacken wollen, ohne Rücksicht auf Verluste.

Was es mit Nandrolon auf sich hat, welche Formen es gibt und welche Nebenwirkungen zu erwarten sind, erfährst du wie immer hier bei uns! (Sonderform Trenbolon: Zu Trenbolon (Nandrolonderivat) gibt es einen gesonderten Artikel)

Nandrolon Nebenwirkungen

Dass die im Zusammenhang mit einer Nandrolon Anwendung dosisabhängigen östrogenbedingten Nebenwirkungen in der Praxis stärker ausfallen, als man anhand der geringen Umwandlungsrate in Östrogen vermuten würde, hängt damit zusammen, dass Nandrolon ein so genanntes Progestin ist und an den Progesteronrezeptoren des Körpers (wie alle 19-Nor Steroide) eine direkte Progesteronwirkung entfalten kann, die ca. bei 20% der Progesteronwirkung von Progesteron selbst liegt.

Diese Progesteronwirkung verstärkt in vielen Gewebetypen, zu denen auch das Gewebe der Brustdrüsen gehört, die Wirkung von Östrogen, was mit anderen Worten ausgedrückt bedeutet, dass bereits geringere Mengen Östrogen ausreichen, um östrogenbedingte Nebenwirkungen wie zB die gefürchtete Gynäkomastie (männliche Brustbildung) zu verursachen. Weiterhin wirken sich hohe Progesteronspiegel beim Mann negativ auf die Libido aus und können diese im Extremfall sogar vollständig unterdrücken, inklusive Impotenz (sogenannter Deca-Dick)

Sportler, die sich einem Dopingtest unterziehen müssen, meiden Nandrolon in der Regel, da dieser Wirkstoff noch bis zu 18 Monate nach der letzten Anwendung nachgewiesen werden kann, was selbst bei geringen Mengen und kurzer Anwendungsdauer der Fall ist. So kann eine einmalige Injektion von lediglich 50 mg Nandrolon Decanoat noch 8 Monate nach der Injektion im Urin nachgewiesen werden.

Nandrolon unterdrückt die körpereigene Testosteronproduktion deutlich stärker und nachhaltiger als Testosteron. Bereits eine einmalige Injektion von 100 mg Nandrolondecanoat reicht aus, um die körpereigene Testosteronproduktion fast vollständig zum Erliegen zu bringen, wobei es nach der Injektion etwa 30 Tage dauert, bis der körpereigene Testosteronspiegel wieder seinen Ausgangswert erreicht

Anwendungsbereiche

Folgende medizinische Anwendungsgebiete werden für Nandrolondecanoat angegeben: Alle Zustandsbilder, bei denen eine eiweißaufbauende Wirkung gewünscht ist, unter anderem bei Osteoporose, besonders im Verlauf chronisch rheumatischer Erkrankungen, metastasierendes Mammakarzinom, Muskelschwund etc.

Beim Bodybuilder lohnt sich Nandrolon am meisten für den massiven Masseaufbau. Wer mit Testosteron + Nandrolon nicht aufbaut, macht definitiv einiges verkehrt.

Für die Diät eignet sich Nandrolon auch, aber es müssen die Ernährung und der Östrogenhaushalt 100% passen, weil die Diät sonst unnötig erschwert wird.

Pharmakologie

Nandrolon gehört zur Gruppe der 19-Nor Steroide, die durch die im Vergleich zu Testosteron Derivaten fehlende Methylgruppe an Position 19 charakterisiert werden und sich in ihren Eigenschaften deutlich von Testosteron unterscheiden. Im Körper kommt Nandrolon in verschwindend geringen Mengen im Bereich von 0,4 ng/ml auch natürlich vor.

Die Androgenwirkung von Nandrolon fällt deutlich schwächer als die Androgenwirkung von Testosteron aus, da Nandrolon im androgensensitiven Gewebe durch das 5-alpha-Reduktase Enzym nicht wie Testosteron in deutlich stärker androgen wirkendes Dihydrotestosteron, sondern in nur schwach androgen wirkendes Dihydronandrolon umgewandelt wird, welches eine geringere Androgenwirkung als Nandrolon selbst hat. Trotz seiner geringen Androgenwirkung kann Nandrolon jedoch eine Steigerung der Aggressivität bewirken, da es die Spiegel serotonerger Amine im Gehirn erhöht, die die Aggression fördern.

Im Muskelgewebe, das nur minimale Mengen des 5-alpha Reduktase Enzyms aufweist, besitzt Nandrolon eine deutlich stärker ausgeprägte Androgenwirkung und weist eine um den Faktor 3 höhere Affinität für die Androgenrezeptoren des Muskelgewebes als Testosteron auf. Das führt dazu, dass die direkte myotrophe (muskelaufbauende) Aktivität von Nandrolon die myotrophe Aktivität von Testosteron deutlich übertrifft.

Nandrolon besitzt bereits bei vergleichsweise geringer Dosierung eine stark ausgeprägte anabole Wirkung, die etwa um den Faktor 2,4 höher als die anabole Wirkung von Testosteron ausfällt. Diese anabole Wirkung beruht zu einem großen Teil auf der durch Nandrolon bewirkten Steigerung der Stickstoffeinlagerung und Proteinsyntheserate. Zusätzlich hierzu erhöht Nandrolon die IGF-1(Insulin-Like Growth Faktor 1) Spiegel im Muskelgewebe. Weiterhin erhöht Nandrolon die Anzahl der Androgenrezeptoren im Muskelgewebe dramatisch und fördert zudem die Kreatinphosphatsynthese, was in einer schnelleren Wiederherstellung von ATP und somit auch zu einer gesteigerten Leistungsfähigkeit der Muskulatur führt.

Trotz der im Vergleich zu Testosteron stärker ausgeprägten anabolen Wirkung resultiert die alleinige Anwendung von Nandrolon nicht in dem Maß in schnellen und dramatischen Zuwächsen an Kraft und Masse, wie das bei Testosteron der Fall ist. Das hängt damit zusammen, dass beim Aufbau von Kraft und Masse noch viele weitere Faktoren eine Rolle spielen, zu denen auch die antikatabole(katabol=abbauend) Wirkung zählt, die bei Nandrolon im Vergleich zu Testostern nur schwach ausgeprägt ist.

Anwender von Nandrolon berichten in der Regel von moderaten aber stetigen Zuwächsen an qualitativ hochwertiger Muskelmasse, die ungefähr halb so schnell wie bei einer vergleichbaren Menge an Testosteron zustande kommen. Deshalb wird Nandrolon oft mit anderen androgenen Wirkstoffen kombiniert, um deren anabole Wirkung zu verstärken ohne gleichzeitig das Potential für androgenbedingte Nebenwirkungen zu erhöhen, wie das der Fall wäre, wenn androgene Wirkstoffe wie Testosteron einfach höher dosiert werden würden, um so die anabole Wirkung zu steigern.

Nandrolon wird im Körper in deutlich geringerem Umfang als Testosteron in Östrogen umgewandelt, wobei die Umwandlungsrate in etwa 20% der Umwandlungsrate von Testosteron entspricht. Das hängt damit zusammen, dass Nandrolon nur in der Leber, nicht aber im sehr viel aktiveren Fettgewebe in Östrogen umgewandelt wird. Es gibt weiterhin Hinweise darauf, dass Nandrolon nicht durch das Aromataseenzym, sondern durch das Enzym CYP 2C11 in Östrogen umgewandelt wird, was bedeuten würde, dass einer Umwandlung von Nandrolon in Östrogen nicht mit Hilfe eines Aromatasehemmers entgegengewirkt werden könnte.

Kraftsportler berichten während der Nandrolon Anwendung häufig von einer Linderung bestehender Gelenkschmerzen. Dieser Effekt beruht jedoch nicht, wie häufig behauptet wird, auf einer verstärkten Wassereinlagerung in den Gelenken und einer hiermit in Verbindung stehenden besseren Schmierung der Gelenke. Vielmehr fördern Progesteron und verwandte Wirkstoffe die Produktion von T-Helferzellen vom Typ 2, die eine Ausschüttung entzündungshemmender Zytokine fördern, während gleichzeitig die Produktion von T-Helferzellen vom Typ 1 reduziert wird, die die Ausschüttung entzündungsfördernder Zytokine fördern. Nandrolon wirkt also als Progestin entzündungshemmend und somit schmerzlindernd.

Weiterhin besitzt die Kombination aus Östrogen und Progesteron eine positive Auswirkung auf die Knochenzusammensetzung und von Nandrolon konnte in diesem Zusammenhang gezeigt werden, dass es den Kalziumgehalt der Knochen erhöht. Außerdem besitzt die Kombination von Östrogen und Progesteron eine positive Auswirkung auf das körpereigene Kollagen, aus dem auch der Gelenkknorpel besteht und bereits 100 mg Nandrolon pro Woche reichen aus, um die Kollagensynthese anzuregen.

Für diätende Bodybuilder könnte die Tatsache von Interesse sein, dass Nandrolon den Fettabbau im subkutanen Gewebe fördern kann, wobei diese fettabbauende Wirkung mit steigender Nandrolon Dosis zunimmt.

Nandrolon besitzt außerdem einen positiven Einfluss auf die Regeneration nach dem Training, da es die Rate der Wiederauffüllung der Glykogenspeicher nach einer körperlichen Belastung steigern kann, was darauf beruht, dass Nandrolon einerseits durch seine blutbildende Wirkung den Nährstofftransport zu den Zellen verbessert und andererseits die Konzentration glykolytischer(wenn Energie durch den Vorgang der Glykolyse bereitgestellt wird) und glykogenolytischer (Glykogen abbauend)  Enzyme erhöht.

Andere Namen:
Deca (Nandrolon Decanoat) - NPP(Nandrolon Phenylpropionat)
17β-Hydroxy-19-norandrost-4-en-3-one, 17β-Hydroxy-4-estren-3-one, 19-Norandrostenolone, 19-Nortestosterone, 4-Estren-17β-ol-3-one
Nachweisbarkeit:
bis zu 18 Monate!
Halbwertszeit:
als NPP ca.3 Tage - als Deca ca 10 Tage

Quellenangaben

Wilhelm Schänzer, Institut für Biochemie der Deutschen Sporthochschule Köln, 25.2.2001

 

Datenblatt Nandrolone bei Sigma-Aldrich,

 

Eintrag zu Nandrolon. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag

 

Externe Identifikatoren von bzw. Datenbank-Links zu Norclostebol: CAS-Nummer: 13583-21-6, PubChem: 166576, Wikidata: Q7050483.

ECHA-InfoCard: 100.184.887, PubChem: 19582, Wikidata: Q7838854.

 

Externe Identifikatoren von bzw. Datenbank-Links zu MEDOO: CAS-Nummer: 105802-53-7, PubChem: 129115.

 

NCBI: 2-methylestra-4,9-dien-3-one-17-ol.

 

Eintrag zu (2β,17β)-17-Hydroxy-2-methylestra-4,9-dien-3-one in der ChemSpider-Datenbank der Royal Society of Chemistry,

 

Eintrag zu Nandrolon in der ChemIDplus-Datenbank der United States National Library of Medicine (NLM)